Warmes Wasser gegen trockene Politik
(Heft S. 28-33)

Viele Jugendliche können es sich nicht vorstellen, einmal selber politisch aktiv zu werden. Für eine Mehrheit ist ein politischer Prozess etwas Langweiliges, Trockenes ohne einen Hauch von fun und action.

Damit Jugendliche in Sachen politisches Engagement aber fundiert entscheiden können, brauchen sie vor allem eines: Die persönliche Erfahrung, was es bedeutet an einem politischen Prozess teilzunehmen. Das Projekt Solar- Warmwasserduschen fürs Schwimmbad beschreibt die Schlussphase eines solchen Prozesses, nämlich die Umsetzung einer Idee. Im Folgenden werden zwei Varianten beschrieben, wie die Unterlagen zu diesem Projekt im Unterricht eingesetzt werden können.

Variante 1: Die Handlungsorientierte

Schülerinnen und Schüler nehmen selber Teil an einem politischen Prozess. Wichtig ist, dass ihnen im Vorfeld klar wird, dass sie sich nur auf eine Erfahrung einlassen. Was genau daraus wird und wie stark sie sich dafür engagieren, entscheiden sie ganz allein. Je stärker sie sich jedoch darauf einlassen, desto intensiver wird ihre Erfahrung sein.

Als Methode bietet sich die Zukunftswerkstatt an, die in ihrem klar strukturierten Ablauf die wichtigen Elemente eines politischen Prozesses enthält. Wichtig ist dabei eine recht eng geführte Moderation durch die Lehrperson.

Zuerst muss geklärt werden, in welchem politischen Bereich ein Prozess stattfinden soll. Möglichkeiten bieten sich auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene in Bereichen wie Jugendpolitik, Menschenrechte, Ökologie etc.

Bevor mit der eigentlichen Zukunftswerkstatt begonnen wird, ist es wichtig, die Teilnehmenden darauf einzustimmen. Je nach gewähltem Bereich bieten sich verschiedene Möglichkeiten an:

• Auf Fotoreportage durch die eigene Gemeinde/Region gehen
• Eine Fantasiereise machen (Beispiel aus NMM-Lehrmittel «Kunterbunt», S.10)
• Passende Bilder aus Zeitungen und Zeitschriften sammeln

Der Ablauf einer Zukunftswerkstatt gliedert sich in drei Phasen:

1. Kritisieren: sich Gedanken machen zur jetzigen Situation
• Zuerst schreiben alle auf Haftzettel, was ihnen an einer bestimmten Situation gefällt, und zwar ein Punkt pro Zettel. Die Stichwörter werden besprochen und geordnet. Für jede Zettelgruppe wird ein passender Titel gesucht.
• Nun schreiben alle auf, was ihnen an der gleichen Situation nicht gefällt. Wieder wird besprochen und geordnet.
• Jetzt erhalten alle Teilnehmenden einige Klebepunkte. Diese kleben sie zu jenen Punkten, die ihnen besonders wichtig sind.
• Alle Zettel ohne Punkte werden entfernt. Die übrigen werden zu Themengruppen zusammengefasst und bekommen einen Titel.

2. Fantasieren: Ideen und Utopien entwickeln
• Jetzt sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Alle Wünsche und Visionen rund ums Thema werden individuell auf Haftzettel geschrieben. Alles ist erlaubt, es gibt keine rechtlichen, finanziellen, gesellschaftlichen etc. Hindernisse: Ein sehr lustvoller Moment, wenn sich die Teilnehmenden wirklich von allen einschränkenden Rahmenbedingungen lösen können. Dazu müssen sie oft wiederholt ermuntert werden.
• Und wieder Punkte vergeben und aus den Zetteln Themengruppen bilden. Wer interessiert sich für welches Thema? Die Interessengruppen bereiten eine Präsentation vor zu ihrem Thema und ihren Wunschvorstellungen dazu. Dabei sind verschiedene Formen möglich: Szenische Darstellungen, Modelle, Fotocollagen, Plakate...

3. Prüfen, planen, umsetzen, handeln
Und jetzt kommt das Schwierigste und Aufwändigste: Welche Wünsche müssen unbedingt verwirklicht werden? Und wer macht mit?

Das ist der Punkt, wo der Bericht über das Projekt der Solar-Warmwasserduschen eingesetzt werden kann. Er zeigt den Schülerinnen und Schülern auf, was ungefähr auf sie zukommt, worauf sie achten und wie viel Frustrationstoleranz sie mitbringen müssen. Die Bearbeitung des Textes kann mit Hilfe der Checkliste Politik: So wird’s gemacht! (siehe Variante 2) geschehen. Der Bericht kann die Motivation steigern und Mut machen, die Realisierung eines eigenen Projekts zu wagen.

Aber auch wenn sich die Schülerinnen und Schüler nicht für eine Umsetzung entscheiden können, haben sie doch einige wichtige Erfahrungen in einem politischen Prozess gemacht.

 

Variante 2: Die Theoretische

Schülerinnen und Schüler lesen im Bericht, wie das Projekt konkret ablief und welche Erfahrungen die Teilnehmenden dabei gemacht haben. Mit Hilfe der Checkliste Politik: So wird’s gemacht! können die Schülerinnen und Schüler untersuchen, welche Schritte in einem politischen Prozess die 7. Klasse während ihrer Projektwoche miterlebt und mitgestaltet hat. Sie können sich ausserdem überlegen, welche Schritte von anderen Leuten gemacht werden mussten, damit sich die Solar-Duschen realisieren liessen. Dies kann in einer Gruppenarbeit geschehen:

• Jede Gruppe übernimmt einen Punkt auf der Checkliste.
• Zuerst wird geklärt, wer im Solarduschen-Projekt für diesen Punkt verantwortlich war. Ist dies aus dem Bericht nicht direkt ersichtlich, können die Schülerinnen und Schüler ihre eigenen Vermutungen dazu äussern.

Jede Gruppe bereitet nun eine Szene vor. Diese soll für den Rest der Klasse verdeutlichen, worum es beim betreffenden Punkt genau geht. Die Schülerinnen und Schüler können also Sitzungen, Telefongespräche, Interviews vorspielen oder auch zeigen, wie ein Flugblatt, ein Plakat oder eine Pressemitteilung entsteht.

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