(Un)Politische Jugend? (Heft S. 4-8)

Ziel

Zusammen mit den Heftbeiträgen «Politik hat viele Farben» und «Nimm es selbst in die Hand» geht es bei den Aussagen der 13 Jugendlichen über ihr (Des)Interesse an Politik darum, dass sich die Schülerinnen und Schüler mit den Standpunkten, Meinungen und Ideen gleichaltriger Jugendlicher über Politik beschäftigen. Ziel ist es, dass sich die Jugendlichen der eigenen Position bewusst werden, sich überlegen, unter welchen Bedingungen Politik für sie interessant sein könnte und für welche Anliegen sie sich allenfalls engagieren würden.

Arbeitsform

Einzelarbeit:
• Sch. lesen die 13 Aussagen der Jugendlichen.
• Sch. wählen eine Aussage aus, die ihnen am meisten entspricht. Sie treten als Urheber/in dieser Aussage auf (z.B. als Alexandra Schmid) und tragen die Kernaussagen mündlich der Klasse vor (ohne Notizen).

Klassenarbeit:
• Die einzelnen Aussagen werden zusammen ausgewertet nach dem vorgegebenen Raster.
• Sch. schreiben selber eine analoge Aussage.
• Ein Kollege/eine Kollegin trägt diese mündlich der Klasse vor und ergänzt anschliessend den obigen Raster.
• Auswertung: Was fällt auf? Gibt es auffällige Unterschiede zwischen Knaben und Mädchen, zwischen den verschiedenen Alterstufen? Was meint die Klasse zu den vorgebrachten Vorschlägen zur Erhöhung des Interesses Jugendlicher an Politik (Senkung Stimmrechtsalter, Meinungsumfragen bei Jugendlichen usw.)?
• Diskussion: Sind Jugendliche an Politik interessiert? Weshalb (nicht)?

Hinweise und Links

Eine Studie des GfS-Forschungsinstituts im Auftrag der Tamedia AG («Tages-Anzeiger») hat 1995 hat folgende Ergebnisse gebracht:

• 11 Prozent der befragten Jugendlichen zwischen 15 und 22 Jahren bezeichnen sich als «politisch sehr interessiert» und weitere 38 Prozent als «eher interessiert». Die andere Hälfte verteilt sich proportional fast gleich auf die Kategorien «eher nicht interessiert» (38%) und «überhaupt nicht interessiert» (12%).

• Die Proportionen zwischen «Links» und «Rechts» wären gemäss dieser Studie unter Jugendlichen 2 zu 1.

• Jugendliche begegnen der Politik mit einiger Skepsis, aber nicht skeptischer als Erwachsene. Sie begründen die Skepsis primär mit dem System, das sie als unglaubwürdig ansehen.

• Dennoch würden sie sich eher in der institutionellen Politik engagieren, primär selber abstimmen.

• Zu den Parteien markieren Jugendliche grosse Distanz, die Jungparteien sind für eine überwiegende Mehrheit der Jugendlichen gar inexistent.

• Jugendliche «sind sich der Unterschiede in der komplexer gewordenen Welt bewusst, akzeptieren diese auch vermehrt als die Erwachsenen und verlangen deshalb nach mehr Toleranz in der Differenz.» (aus der Synthese der Studie)
Sie finden die Fragen und Ergebnisse zu den Themenfeldern politisches Interesse, Verständnis von Politik im Alltag, Politikversagen, politisches Problembewusstsein, politische Forderungen, Orientierung im Links/Rechts-Schema, Engagementbereitschaft, Haltung zu politischen Parteien sowie zur Wahrnehmung von Jungparteien unter www.polittrends.ch/beteiligung/jugend-1995.html
In einer Befragung von über 12'000 Kindern und Jugendlichen (Pädagogisches Institut der Universität Zürich im Auftrag der Unicef Schweiz) äussert eine grosse Mehrheit den Wunsch, ihre Meinung beisteuern und an den Entscheidungsfindungen mitwirken zu können. Doch die befragten Kinder und Jugendlichen beurteilen ihre Partizipationsmöglichkeiten als relativ bescheiden: 48% sehen sie in der Familie, 39% in der Schule, während auf Gemeindeebene nur 7% der Befragten Mitwirkungsmöglichkeiten sehen. Mehr zu dieser Studie unter www.unicef.ch

Auswertung der Aussagen Jugendlicher über das Interesse an Politik

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